Von Anita Panzer*
Solothurn ist keine Metropole. Gerade deshalb ist die Stadt ein guter Ort, um über die SRG-Halbierungsinitiative nachzudenken. Hier zeigt sich exemplarisch, was das öffentliche Medienhaus leistet – und was geschieht, wenn man seine Grundlagen infrage stellt.
Ein paar Tage im Januar genügen, und Solothurn wird zum Resonanzraum des Landes. Die Solothurner Filmtage bringen Menschen zusammen, die sonst wenig Berührungspunkte haben: Filmschaffende und Publikum, Stadt und Land, Deutschschweiz und Romandie. Man hört zu, schaut hin, widerspricht, denkt nach. Nicht alles gefällt. Aber alles hat Platz.
Diese Öffentlichkeit ist kein Zufall. Sie ist das Ergebnis eines Ökosystems, das über viele Jahre gewachsen ist. Filme entstehen nicht einfach, weil jemand eine gute Idee hat. Sie entstehen, weil es Strukturen gibt, die Risiko tragen, Talente fördern und Sichtbarkeit schaffen. Weil es Partner gibt, die nicht nur fragen, was sich rechnet, sondern auch was relevant ist.
Die SRG ist ein solcher Partner – für die Filmschaffenden ebenso wie für Festivals, für regionale Geschichten ebenso wie für nationale Debatten. Sie sorgt dafür, dass Kultur nicht nur dort stattfindet, wo Marktgrösse und Werbegelder locken, sondern auch dort, wo Identität entsteht: in Städten wie Solothurn, in Regionen, die gehört werden wollen.
Die Halbierungsinitiative blendet diese Zusammenhänge komplett aus. Sie tut so, als liesse sich ein komplexes Gefüge einfach schrumpfen, ohne dass es kippt. Als könne man halbieren, ohne zu verlieren. Doch wer genauer hinschaut, weiss: Gespart würde nicht bei Blockbustern, sondern dort, wo es am wenigsten weh tut: Bei Kultur, bei regionaler Berichterstattung, bei Nachwuchs und Experiment.
Was würde die Halbierung der SRG-Budgets konkret bedeuten? Weniger Schweizer Filme. Weniger Sichtbarkeit für das, was hier entsteht. Weniger Anknüpfungspunkte für Festivals wie Solothurn. Und letztlich weniger Gründe für Publikum, Medien und Sponsoren, sich zu engagieren.
Dabei wissen wir aus eigener Erfahrung: Kultur braucht Rückenwind. Planungssicherheit. Verlässliche Partner. Meine Wunschschlagzeile für 2026 – Rückenwind für ein Kulturfestival: Solothurner Filmtage präsentieren neuen Hauptsponsor – ist kein PR-Gag. Sie beschreibt eine Realität, die nur dann möglich ist, wenn das Umfeld stimmt.
Die SRG ist Teil dieses Umfelds. Sie schafft Aufmerksamkeit jenseits des Hypes, Vertrauen jenseits der Empörung, Kontinuität jenseits der schnellen Klicks. Wer sie schwächt, schwächt nicht nur «Bern» oder «Zürich», sondern auch Solothurn.
Die Halbierungsinitiative verspricht Freiheit. In Wahrheit beschleunigt sie die Abhängigkeit von globalen Tech-Plattformen, deren Algorithmen weder Solothurn kennen noch sich für Geschichten aus der Schweiz interessieren.
Manchmal ist Politik ganz einfach: Man sollte den Ast nicht absägen, auf dem man sitzt. Am 8. März 2026 ist ein Nein zur Halbierungsinitiative eine konkrete Entscheidung für kulturelle Vielfalt, regionale Öffentlichkeit und den Zusammenhalt dieses Landes.
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*Anita Panzer ist Vizepräsident der Solothurner Filmtage und Beirätin der Bewegung Courage Civil. Sie war lange Jahre für die FDP Kantonsrätin in Solothurn und Gemeindepräsidentin von Feldbrunnen-St. Niklaus.

