Die Bilateralen, eine fast uneinnahmbare Wagenburg

Die Personenfreizügigkeit wird in gewissen Kreisen seit jeher schlecht gemacht. Dabei ist sie eine seit über 18 Jahren eingeübte, unspektakuläre Normalität. Das schreibt der Chefredaktor der «NZZ am Sonntag», Luzi Bernet, in seinem heutigen Kommentar. Die SVP hingegen tue sich deshalb schwer mit ihrer Begrenzungsinitiative. Wir übernehmen hier diesen Artikel.

Kann ein Land politisch den Kurs halten, wenn seine Bürgerinnen und Bürger alle paar Monate an die Urne gerufen werden? Wenn die Launen der öffentlichen Meinung und der jeweilige Zeitgeist ständig auf den Politbetrieb einwirken? Wenn von den Parteien dauernd Ängste und Hoffnungen bewirtschaftet werden?

Ja, es kann. Die Schweiz beweist es seit Jahren, und zwar ausgerechnet auf einem der kontroversesten Gebiete, die es gibt, nämlich in der Europa- und der Zuwanderungspolitik. Natürlich, es stellten sich immer wieder Abweichungen vom Kurs ein, Umwege, die gegangen werden mussten, aber alles in allem ist die Schweiz jener Politik treu geblieben, die sie nach dem EWR-Debakel 1992 hat einschlagen müssen.

Nun steht diese wieder auf dem Prüfstand, zum x-ten Mal. Mit der Begrenzungsinitiative startet die SVP erneut einen Angriff auf den Bilateralismus und die damit verbundene Personenfreizügigkeit. Es sieht so aus, als beisse sich die Partei an dem Dossier auch diesmal die Zähne aus.

Zunächst war ungewiss, wie sich Corona auf den Abstimmungskampf auswirken würde. Die Pandemie hat die Bedeutung der Landesgrenzen schlagartig ins Bewusstsein gerückt und damit die Ansicht gestärkt, gesenkte Schlagbäume seien Garanten für die Abwehr von Unbill jeglicher Art, auch von unberechenbaren Viren. Anderseits wurde bald auch deutlich, dass die Schweizer dem temporären Ferienpatriotismus zum Trotz ein hoch mobiles Volk mit einer ebensolchen Volkswirtschaft sind. Jedenfalls ist mit Corona der Wunsch nach offenen Grenzen, Austausch und Interaktion auf allen Ebenen mindestens ebenso sichtbar geworden wie die Vorteile einer vorübergehenden (und auch im Rahmen der geltenden Verträge mit der EU eben durchaus möglichen) Grenzschliessung. Der Corona-Effekt auf die Abstimmung neutralisiert sich.

Es gibt zwei wesentliche Gründe, warum die Schweizer dem eingeschlagenen Weg bisher so treu geblieben sind und diesen Kurs vermutlich auch am Abstimmungssonntag im September bekräftigen werden.

Die Personenfreizügigkeit ist eben nicht, wie die Initianten sagen, ein «Experiment», das abgebrochen werden sollte. Sie ist vielmehr eine seit über 18 Jahren eingeübte, unspektakuläre Normalität. Weder verdient jeder Zugewanderte das Prädikat «wertvoll», wie es die Linke in ihrem Multikulti-Moralismus meint, noch sind die EU-Immigranten allein verantwortlich für Lärm, Stress und Sozialschmarotzertum, wie die Rechte posaunt. Vielmehr ist die Schweiz selbst in Phasen mit sehr hoher Zuwanderung eine Integrationsmaschinerie geblieben, die ihresgleichen sucht. Die Schulen, die Vereine, aber auch zahlreiche grosse und kleine Betriebe leisten hierbei die Knochenarbeit.

Vom freien Personenverkehr profitieren EU-Ausländer, die am Wohlstand der Schweiz teilhaben wollen, es machen davon mittlerweile aber auch unzählige Schweizerinnen und Schweizer Gebrauch, die ihr Glück in der EU versuchen.

Muss der Staat da steuernd eingreifen? Die Kontrolle zurückgewinnen, wie die Initianten meinen? Wer so argumentiert, ist seltsam staatsgläubig. Denn der Haupttreiber der Migration kann nicht der Staat sein, es ist die Konjunktur. Anders gesagt: Wohlhabende Staaten sind Zuwanderungsländer, arme Staaten sind Abwanderungsländer. Die Schweizer Wirtschaft wird auch dann Ausländer ins Land holen, wenn die Begrenzungsinitiative angenommen wird. Einfach, weil sie sie braucht. Im Übrigen enthält die Freizügigkeit selber eine gewisse Steuerung. Sie beschränkt die freie Zuwanderung auf arbeitende oder Arbeit suchende EU-Bürger, also auf Ausländer, die uns kulturell vergleichsweise nahe sind. Das alles haben die meisten Schweizer in den letzten Jahren verstanden und selber erfahren. Sie wissen: Es funktioniert, alles in allem.

Der zweite Grund besteht darin, dass die Europapolitik an Glanz und Schrecken verloren hat. An Glanz, weil die EU selber tief in der Krise steckt. Sie ist keine strahlende Braut mehr wie zu EWR-Zeiten, als sie den Binnenmarkt zur Blüte brachte und für gewisse Kreise geradezu bedrohlich attraktiv wurde. Ein Beitritt ist heute keine Option – und demzufolge auch kein Schreckgespenst mehr, mit dem man die Leute im grossen Stil verunsichern könnte. Sie ist einfach die Nachbarin, mit der man sich arrangieren muss, letztlich dann doch vertrauter als die Chinesen oder die Amerikaner.

Und das Arrangement, das zur Schweiz passt, sind die bilateralen Verträge. Sie entsprechen in ihrer Wurstigkeit ziemlich gut der Art und Weise, mit der auch bei uns Probleme gelöst werden: Geben und Nehmen, Kompromisse und Rückschläge inklusive. Auch das ist in den Alltag übergegangen. Deshalb dürfte ein Nein zur SVP-Initiative auch keineswegs als Zustimmung zum Rahmenabkommen interpretiert werden. Dieses ist für viele weitgehend Terra incognita und alles andere als abstimmungsreif.

Es ist dieser Erfahrungsschatz der letzten 18 Jahre, der die Bilateralen und die Personenfreizügigkeit zu einer fast uneinnehmbaren Burg macht – aber nur dann, wenn die Schweizer auch tatsächlich an die Urne gehen. Ein Ja wäre schlecht, auch deshalb, weil keine Alternative vorliegt, jedenfalls keine, die uns heutigen Schweizern, die wir uns mit Leichtigkeit in Europa bewegen, eine vernünftige Perspektive böte.

Text: NZZ am Sonntag, 23. August 2020
Bild: Courage Civil, Mark Balsiger

Weil es keine Arschlöcher braucht

Seit nunmehr drei Jahren existiert unsere Facebook-Seite. Insbesondere während des Kampfes gegen die No-Billag-Initiative wuchs sie schnell. Inzwischen erreicht sie eine organische Reichweite von 28’000 Personen. Damit ist sie grösser als die Facebook-Seiten aller politischen Parteien und der meisten Verbände in der Schweiz. Wir nutzen sie vor Volksabstimmungen stetig als Informations- und Diskussionsplattform. Diskussionen sind zentral, brauchen aber stets Respekt und Anstand gegenüber Andersdenkenden. Bei Courage Civil werden sie im Schichtbetrieb moderiert und folgen klaren Regeln. Sie entsprechen im Wesentlichen den Umgangsformen zivilisierter Menschen. Arschlöcher mag es im realen Leben durchaus geben, auf unserer Plattform braucht es sie nicht. 

Die Netiquette der Facebook-Seite von Courage Civil:

– Kommentare und Links, die keinen Bezug zum Thema haben, werden gelöscht. Ebenso «Copy/Paste»-Kommentare, die schon anderswo publiziert wurden;

– Wer Kraftausdrücke braucht oder andere User diffamiert, wird zuerst verwarnt und im Wiederholungsfall blockiert. Rassistische, sexistische und diskriminierende Kommentare, Bilder usw. haben auf unserer Plattform nichts verloren;

– «Kommentare» im Stil von «Ich stimme Ja!» oder «Ich bin klar gegen diese Initiative!» haben keinen Mehrwert und werden gelöscht;

– User müssen auf ihrem Profil als reale Personen erkennbar sein. Leute, die sich hinter einem «Fake-Profil» verstecken, interessieren sich erfahrungsgemäss nicht für eine echte Diskussion. Vielmehr wollen sie pöbeln. Sie werden blockiert;

– Sujets und lustige GIFs usw. haben hier nichts zu suchen und werden gelöscht. Es geht um den inhaltlichen Austausch, nicht um das Kreieren eines Bilderbüechlis;

– Kommentare sollen Hochdeutsch geschrieben und nicht länger als 500 Zeichen sein. Solche, in denen Wörter oder ganze Sätze in GROSSBUCHSTABEN geschrieben wurden, werden gelöscht. Grossbuchstaben im Netz bedeuten: SCHREIEN;

– Über das Löschen und Blockieren wird keine Korrespondenz geführt. Auch bei etablierten Medienhäusern ist das so;

Diese Regeln sind keine Einschränkung der Meinungsfreiheit, sondern basieren auf gesundem Menschenverstand. Wer Aggressionen hat, soll joggen gehen oder sich einen Boxsack kaufen. Wer kommentiert, weiss was Respekt und Anstand ist und verhält sich entsprechend.

Der Flyer zur Kündigungsinitiative – jetzt bestellen

Es gibt viele gute Gründe, um gegen die Kündigungsinitiative zu stimmen. Die wichtigsten aus unserer Perspektive haben wir in diesem Flyer aufgeführt. Er ist textlastiger als die meisten Werbematerialien anderer Akteure, die Produktion wertig. Der Flyer eignet sich um qualifizierten Verteilen im Familien- und Freundeskreis, genauso wie für den Versand. Wir schicken Ihnen eine beliebige Anzwahl per Post zu, eine E-Mail an mail@courage-civil.ch reicht.

Wer Teile des Flyers online verwenden möchte, kann diese hier herunterladen:

Was die Bundesrätinnen zur Kündigungsinitiative sagen

Montag, 10. August 2020, Kursaal Bern

Welche Auswirkungen hätte eine Annahme der Begrenzungs- bzw. Kündigungsinitiative am 27. September? Dies war eine zentrale Frage des Podiums, für das eine Gruppierung von nationalen Frauenorganisationen alle drei Bundesrätinnen gewinnen konnte. Es war eine Premiere: Die drei Magistratinnen traten zum ersten Mal gemeinsam an einem öffentlichen Podium auf.

Die Bundesrätinnen Viola Amherd (VBS), Karin Keller-Sutter (EJPD) und Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga (UVEK) diskutierten gestern im Kursaal in Bern über die fünf Abstimmungsvorlagen vom 27. September und beantworteten Fragen aus dem Publikum. Wir beschränken uns hier auf die Kündigungsinitiative.

Kernaussagen von Simonetta Sommaruga:

  • «Die Begrenzungsinitiative ist klipp und klar eine Kündigungsinitiative.»
  • «Unternehmen brauchen Stabilität. Jetzt erst recht.»
  • «Beim Thema bilaterale Verträge kann niemand sagen, das geht mich nichts an.»

Was Karin Keller-Sutter betonte:

  • «Die Frage ist nicht: Finden wir alles gut? Die Frage ist: Wollen wir unsere geregelte Beziehung zur EU aufgeben?»
  • «Die letzten Monate haben uns gezeigt: Nichts ist selbstverständlich. Sicherheit, Wohlstand, Arbeitsplätze, Freiheit – wir müssen immer wieder dafür kämpfen.»
  • «Wollen wir den Wegfall der bilateralen Verträge riskieren und damit ein stabiles, geregeltes Verhältnis zu unserem wichtigsten Handelspartner, der EU?»
  • «Der praktisch hindernisfreie Zugang zum EU-Binnenmarkt ist ein Trumpf, den wir gerade in der Krise nicht aus der Hand geben sollten.»

Keller-Sutter zitierte aus einer soeben erschienenen Studie der Ostschweizer Industrie- und Handelskammer: Diese prognostiziert für die Ostschweiz einen Einkommensrückgang von 4’500 Franken pro Kopf und Jahr, falls die bilateralen Verträge fallen. Die Ostschweiz ist überdurchschnittlich betroffen, da es dort überdurchschnittlich viele Export-Unternehmen gibt. Im Schweizer Durchschnitt betrüge der Wohlstandsverlust gemäss der Studie zwischen 4’200 und 4’300 Franken pro Jahr und Kopf.

Das Gespräch wurde von verschiedenen nationalen Frauenorganisationen organisiert, darunter BPW Schweiz, Soroptimist Schweiz und Alliance F. Aufgrund des Covid-19 Schutzkonzeptes war die Platzzahl auf 600 Gäste beschränkt. Der Anlass war restlos ausgebucht.

Text: Regula Gerber, Mitglied Courage Civil

Der Rucksack ist da!

Dass die Volksabstimmung vom 17. Mai wegen Corona verschoben werden musste, hat jetzt einen hübschen Nebeneffekt: Die Riesenblache mit dem Sujet für den Kampf gegen die Kündigungsinitiative liessen wir zu Rucksäcken verarbeiten. Sie sind vergleichbar mit den Taschen, welche die Velokuriere nutzen. Eben wurden acht solche Taschen geliefert, gefertigt wurden sie übrigens von Contact Arbeit Bern. Unsere Mitglieder können die geschichtsträchtigen Taschen zum Selbstkostenpreis à CHF 95.00 erstehen, alle anderen für CHF 110.00. Eine E-Mail an mail@courage-civil.ch macht den Anfang. Die Bestellung wird verarbeitet, sobald der entsprechende Betrag auf unserem PC-Konto eingetroffen ist. (IBAN: CH19 0900 0000 1517 3797 1). Bei Interesse lassen wir im Herbst weitere Taschen, auch in anderen Ausführungen, produzieren. Melden Sie sich, wenn Sie eine solche Tasche möchten.

Dringend weitere Online-Fighter gegen die Kündigungsinitiative gesucht


Es ist zwar Hochsommer und Ferienzeit, unsere Kampagne gegen die Kündigungsinitiative der SVP brummt trotzdem. Auf der Facebook-Page, die organisch rund 28’000 Leute erreicht, zeigt sich das exemplarisch: Zuweilen gehen mehrere Hundert Kommentare pro Tag ein. Diese werden von uns seit jeher moderiert, was ziemlich viel Aufwand bedeutet: Neue Aspekte einbringen, Fragen stellen, Trolls blockieren, Gehässigkeiten schlichten, usw.

Zur Ergänzung unseres Teams suchen wir per sofort weitere Online-Fighter (w/m), die bis am 27. September mehrmals pro Woche einzelne Schichten übernehmen können. Dieser Job ist fair und im Stundenlohn bezahlt. Er eignet sich für Leute, die Social-Media-affin sind, Semesterferien haben sowie schnell und gut schreiben können.

Details zum Herunterladen:
Courage Civil – Onlinefighter – Ausschreibung (PDF)

Kampagne gegen die Kündigungsinitiative ist lanciert

Medienmitteilung vom Freitag, 17. Juli 2020

Die Brücken nach Europa nicht abbrechen


Die Abstimmung über die Kündigungsinitiative hat eine grössere Tragweite als diejenige über den EWR-Beitritt am 6. Dezember 1992. Bei einem Ja am 27. September fallen die Bilateralen I dahin, die Brücken nach Europa würden abgebrochen. Das will die Bewegung Courage Civil, eine Stimme der Zivilgesellschaft, verhindern. Heute lanciert sie ihre Abstimmungskampagne gegen die Kündigungsinitiative.

Mit der Bewegung Courage Civil engagiert sich ein weiterer Akteur gegen die Kündigungsinitiative der SVP, die am 27. September zur Abstimmung kommt. Sie lanciert heute ihre Kampagne. Courage Civil wurde 2018 gegründet und versteht sich als Stimme der Zivilgesellschaft.

Bei einem Ja zur Begrenzungsinitiative hätte der Bundesrat lediglich 12 Monate Zeit, um die Personenfreizügigkeit neu zu verhandeln. Für Courage Civil ist klar, dass ein Jahr niemals reichen würde. Die Initiative ist so klar wie radikal ausformuliert: Sechs Monate nach der Personenfreizügigkeit würden auch die anderen sechs Abkommen der Bilateralen I automatisch gekündigt. Das ist der Effekt der Guillotine-Klausel.

Die Gretchenfrage, die sich die Schweizerinnen und Schweizer jetzt stellen müssen, lautet: Wollen wir den bilateralen Weg weitergehen oder beenden? Namens der Bewegung hält Vorstandsmitglied Anaël Jambers fest: «Die Bilateralen sind zu wertvoll für die Schweiz. Wir sollten die Brücken nach Europa nicht abbrechen.»

Jambers nennt drei zentrale Argumente für ein Nein zur Kündigungsinitiative:

– Absatzmarkt:
Rund 52 Prozent der Schweizer Exporte gehen in den europäischen Binnenmarkt. Dabei sind grosse Unternehmen genauso wie unzählige KMU auf unbürokratische Prozesse angewiesen. Die bilateralen Verträge sichern den Zugang zum Binnenmarkt und hunderttausende von Jobs in unserem Land.

– Babyboomer-Ersatz:
In den nächsten zehn Jahren werden 1,1 Millionen Babyboomer, also die Jahrgänge bis 1964, pensioniert. Bereits 2021 gehen mehr Erwerbstätige in den Ruhestand, als 20-Jährige zu arbeiten beginnen. Dieser massive demografische Wandel muss abgefedert werden – mit einer Umschulungsoffensive und mit Fachkräften aus anderen Ländern. Im Gesundheitswesen ist die Lage schon jetzt prekär.

– Freiheit:
Rund 420’000 Schweizerinnen und Schweizer wohnen, studieren oder arbeiten in den 27 EU-Ländern. Dank der Personenfreizügigkeit können sie leben und lieben, wo sie wollen.

Die Bewegung Courage Civil ist Teil der breit aufgestellten Nein-Allianz. Sie bekämpft die Kündigungsinitiative mit einer eigenständigen Kampagne. Sie tut dies mit der direkten Ansprache von Sympathisantinnen und Sympathisanten, ihren reichweitenstarken Social-Media-Plattformen sowie die nächsten zwei Wochen mit e-Boards, die in den Bahnhöfen der deutschen Schweiz bespielt werden. (mbb.)


Kontakt:
Mark Balsiger,
Geschäftsführer Courage Civil
Mobile            079 696 97 02 (ruft zurück bzw. vermittelt Interviewpartner)
E-Mail             mail@courage-civil.ch

>>> Link zu aktuellen Fotos in hoher Auflösung  <<<


Hintergrund zur Bewegung Courage Civil:

Seit Jahren wird der Rechtsstaat in der Schweiz attackiert. Volksinitiativen sind regelmässig nur noch ein Vehikel für politisches Marketing. Fake News untergraben das Vertrauen in die Medien. Populismus hat auch bei uns Einzug gehalten. Das alles ist Gift für die direkte Demokratie. Es liegt nicht mehr drin, tatenlos zuzuschauen.

Deshalb haben wir 2018 die Bewegung Courage Civil ins Leben gerufen. Sie steht ein für Grundrechte, Rechtssicherheit, eine international gut vernetzte Schweiz, unabhängige Medien sowie Respekt und Anstand im politischen Diskurs. Ihr Name ist Programm: Courage bedeutet Mut – es ist vom französischen cœur abgeleitet, also vom «Herz».

Die Bewegung ist parteipolitisch unabhängig. Sie erhebt ihre Stimme zu staats-, medien- und gesellschaftspolitischen Themen. Courage Civil will für breite Bevölkerungsschichten zu einem glaubwürdigen Anker werden. Dieses Ziel strebt sie mit Positionspapieren und Informationskampagnen an. Ihre Facebook-Seite, die sie 2018 während der Kampagne gegen die No-Billag-Initiative generierte, zählt 28’000 Likes. Somit hat sie eine grössere organische Reichweite als die Facebook-Seiten aller Parteien. Bislang kämpfte sie gegen die sogenannte Selbstbestimmungsinitiative (2018) und setzte sich für das angepasste Waffenrecht ein (2019).

Bei Courage Civil sind drei Generationen aus den verschiedensten Regionen der Schweiz vertreten. Das jüngste Mitglied ist 19-jährig, das älteste 86.

Die Schweiz profitiert vom europäischen Binnenmarkt mehr als alle EU-Staaten

Die Menschen in der Schweiz verdienen dank den bilateralen Verträgen mit der EU, die den Zugang zum Binnenmarkt sicherstellen, pro Jahr im Durchschnitt 2900 Euro mehr (also umgerechnet rund 3000 Franken). Der gesamteuropäische Vergleich zeigt, dass die Schweiz mehr vom europäischen Binnenmarkt als alle 27 EU-Mitgliedstaaten profitiert.

Zu diesem Resultat kommt eine Studie der Bertelsmann-Stiftung. Wer sich diese genauer anschauen möchte, findet sie als PDF hier auf Englisch und hier in einer deutschen Kurzfassung.

Grafik: Swissinfo

Bundesrätin Karin Keller-Sutter warnt vor Experimenten

Karin Keller-Sutter (FDP) lancierte heute seitens des Bundesrats die Abstimmungskampagne gegen die Kündigungsinitiative. Der bilaterale Weg garantiere Stabilität für die Wirtschaft, und genau dies sei nach der Corona-Krise wichtig, betonte sie vor den Medien. «Es geht darum, unsere Arbeitsplätze und damit unseren Wohlstand zu sichern.» Der Bericht des #CHmedia-Verbunds – und ein kurzer Clip aus der Medienkonferenz:

Quelle Video: Medienkonferenz des Bundesrates vom 22. Juni 2020. Bundesrätin Karin Keller-Sutter zur Begrenzungsinitiative

Die Grenzen sind wieder offen!

Seit heute sind die Grenzen wieder offen. Bundesrätin Karin Keller-Sutter geht im Tagesgespräch von Radio SRF auf diese Veränderung zur Normalität ein. Sie findet es wichtig, dass die Personenfreizügigkeit wieder hergestellt ist – auch weil sie selbst aus einer Grenzregion kommt. Tatsache ist, dass sich die Menschen längst daran gewöhnt haben, ohne Grenzkontrollen reisen zu können.

Ein hörenswertes Gespräch von 30 Minuten – Sie finden es samt Zusammenfassung hier.

Seit 18 Jahren sind die Bilateralen I in Kraft – ein Rückblick

Am 1. Juni 2002, also vor genau 18 Jahren, sind die Bilateralen I in Kraft getreten. Sie regeln sieben zentrale Abkommen zwischen der Schweiz und der Europäischen Union, etwas die Personenfreizügigkeit und die Bereiche Forschung und Landwirtschaft. Die Bilateralen I sind das Produkt des Neins zum Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) am 6. Dezember 1992 und der wirtschaftlichen Stagnation der Neunzigerjahre. Jan Atteslander von economiesuisse resümiert diese 18 Jahre in einem Blog-Posting.

Der Wettlauf um die Deutungshoheit hat begonnen

Unter normalen Umständen würde heute die Volksabstimmung über die Begrenzungs- bzw. Kündigungsinitiative stattfinden. Doch dann kam die Corona-Krise und der Termin musste auf den 27. September verschoben werden. Die Ausgangslage präsentiert sich heute anders als noch vor drei Monaten. Eine Auslegeordnung der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

Die Bewegung Courage Civil kämpft aus den verschiedsten Gründen für ein Nein am 27. September.

Praktikum Campaigning im Kampf gegen die Kündigungsinitiative

Pensum: 80%, vier Monate 

Die Bewegung Courage Civil versteht sich als Stimme der Zivilgesellschaft und kämpft gegen die Begrenzungs- bzw. Kündigungsinitiative, die am 27. September zur Abstimmung kommt. Für das Mitwirken bei dieser Abstimmungskampagne vergibt sie ein Praktikum für die Zeitspanne vom 1. oder 15. Juni bis 30. September 2020.

Ihr Profil:
Ein Abschluss oder Erfahrung in Kommunikation, Social Media, Journalismus oder Campaigning, initiativ, analytisch, gewinnend im Auftreten, diszipliniert, Identifikation mit den Werten von Courage Civil, Flair zum Texten, Kenntnisse der Schweizer Innenpolitik, Affinität zu gesellschaftlichen Herausforderungen, sicherer Umgang mit Compi, Programmen und Apps.

Arbeitsort:
Stadt Bern, 3 Minuten zu Fuss vom Bahnhof entfernt. Schöne Büros, Küche, Dachterrasse. Wir teilen uns eine Etage mit anderen selbständigen Kommunikationsprofis.

Was Sie erwartet:
Sie denken und wirken bei der wichtigsten Volksabstimmung des Jahres mit – und Sie packen mit an: Campaigning ist Knochenarbeit. Dabei arbeiten Sie eng mit Geschäftsführer Mark Balsiger zusammen, der seit vielen Jahren eine eigene kleine Kommunikationsfirma führt. Sie setzt Schwerpunkte bei Krisenkommunikation, Medienarbeit, Kommunikationstraining/Auftrittskompetenz, strategische Beratung und Abstimmungskampagnen.

Ihr Tätigkeitsgebiet:
Mitarbeit bei Konzeption, Umsetzung und Controlling der Abstimmungskampagne, tägliches Monitoring, Medienarbeit, Planen und Erarbeiten von Content für Social Media, stetes Moderieren der Kommentare auf unseren Plattformen (v.a. Facebook-Page), Generieren und Bewirtschaften von Adresslisten, Newsletter, mit Analysetools Statistiken auswerten usw.

Eckpunkte der Anstellung:
80%-Pensum, 2 Wochen Ferien, Lohn: CHF 3000.00 brutto

Ihre Bewerbung:
08/15-Dossiers und solche, die das RAV befriedigen, interessieren uns nicht. Wir suchen diejenige Person, die für diesen Job brennt und alles gibt für ein deutliches Nein am 27. September! Teil Ihrer Bewerbung ist ein Kurzkonzept (eine oder zwei Seiten A4), das folgende Herausforderung angeht: Courage Civil hat eine der reichweitenstärksten Facebook-Pages in der Schweiz und ist auf Twitter «okay» unterwegs. Auf den Kanälen YouTube und Instagram hingegen kommt unsere Bewegung nicht in die Gänge. Wie soll sie das ändern? Sie liefern einen Ansatz – und wie Sie diesen umsetzen würden.

Ihr Dossier umfasst Motivationsschreiben, CV inkl. Foto, Arbeitszeugnisse, Referenzen sowie Ihr Kurzkonzept. Übermitteln Sie uns Ihr komplettes Dossier als ein einziges PDF-Dokument bis am Dienstag, 19. Mai 2020 an: mail@courage-civil.ch

Unsere Ausschreibung zum Herunterladen:

Praktikum Campaigning Ausschreibung (PDF) 

Der neue Termin steht, unser Nein ist unverrückbar

Jetzt ist klar: Die nächsten nationalen Abstimmungen finden am 27. September statt. Das hat der Bundesrat gestern entschieden. Insgesamt kann das Stimmvolk über fünf verschiedene Vorlagen befinden, die Kündigungsinitiative ist auch dabei. Eigentlich hätte sie ja am 17. Mai zur Abstimmung kommen sollen, musste dann aber aufgrund der Corona-Pandemie verschoben werden.

Der Vorstand hat entschieden, dass Courage Civil mit voller Kraft gegen die Kündigungsinitiative kämpfen wird. Das ist die Bewegung ihren Mitgliedern und Supportern schuldig. Bei den anderen Vorlagen wird sie sich nicht engagieren.

Die Ausgangslage am 27. September hat sich zwar verändert, die Initiative bleibt aber eine undurchdacht-populistische Forderung, die der Schweiz enorm schaden würde. Die guten Argumente gegen die Kündigungsinitiative bleiben dieselben – für uns stehen drei im Zentrum:

– Der unbürokratische Zugang zum europäischen Binnenmarkt;

– die Freiheit für 420’000 Schweizerinnen und Schweizer in 27 EU-Ländern wohnen, studieren oder arbeiten zu können;

– es braucht Ersatz für die 1,1 Millionen Babyboomer, die in den nächsten zehn Jahren pensioniert würden.

Die Abstimmung vom 17. Mai ist abgesagt, unsere guten Argumente bleiben


Der eidgenössische Abstimmungstermin
vom 17. Mai wurde abgesagt. Das hat der Bundesrat heute entschieden. Die Absage steht in einem direkten Zusammenhang mit der ausserordentlichen Lage, in der sich die Schweiz seit ein paar Tagen befindet. Der Fokus liegt bei der Bekämpfung der Coronakrise, was die Behörden, das Militär und insbesondere das Pflegepersonal in den Spitäler fordert. Die einschneidenden Massnahmen, die der Bundesrat am Montag erliess, sollen verhindern, dass das Gesundheitssystem kollabiert. Es geht aber auch darum, dass die Wirtschaft nicht in eine tiefe Rezession rutscht.

Am 17. Mai wäre auch die Kündigungsinitiative zur Abstimmung gekommen. Wir von der Bewegung Courage Civil lancierten unsere individuelle Kampagne dagegen bereits am 9. März. Sie ist per sofort sistiert. Wir werden wieder aktiv, sobald der neue Termin fixiert ist. Die guten Argumente gegen die Kündigungsinitiative bleiben dieselben. Für uns stehen drei im Zentrum:

– Der unbürokratische Zugang zum europäischen Binnenmarkt;

– die Freiheit für 420’000 Schweizerinnen und Schweizer in 27 EU-Ländern wohnen, studieren oder arbeiten zu können;

– es braucht Ersatz für die 1,1 Millionen Babyboomer, die in den nächsten zehn Jahren pensioniert würden.

An dieser Stelle danken wir allen, die uns in den letzten Monaten der Vorbereitung ideell und mit Spenden unterstützt haben, herzlich. Das ist nicht selbstverständlich.

Coronavirus: Der einfache Tipp einer ETH-Professorin

Händewaschen, Zuhause bleiben, Abstand halten: Die Anweisungen des Bundesamts für Gesundheit (BAG) sind klar und logisch. Wir von Courage Civil vermitteln Ihnen noch etwas, das Sie tun können:

Die meisten von uns stellen sich eine Infektion vor wie «Fangis»: Wer mit dem Virus in Kontakt kommt, den «hets». So ist es aber nicht. Realistischerweise kommen die allermeisten von uns früher oder später mit Corona in Kontakt. Ob es uns dann «het», kommt aber darauf an, ob sich das Virus erfolgreich einnisten kann. Und das ist keinesfalls sicher.

Nach aktuellem Kenntnisstand geschieht die Infektion primär über Tröpfchen. Ein Infizierter hustet in Ihrer Nähe, Sie atmen ein – schon kann es passiert sein. Aber was geschieht dann? Das Virus gelangt in die Schleimhäute von Nase, Mund und Rachen oder direkt in die Luftröhre. Damit es sich dort vervielfältigen kann, muss es eine Schleimhautzelle befallen können. Das braucht Zeit und gelingt nicht immer.

Unsere Schleimhäute besitzen nämlich wirksame Selbstreinigungsmechanismen. Ihre Wände bestehen aus winzigen Flimmerhärchen, die von einer dünnen Schleimschicht bedeckt sind. Die Härchen bewegen sich und schaffen so den Schleim und die darauf abgelagerten Partikel (z.B. auch Viren) aus unseren Atemwegen. Wird der Schleim zäh, gerät dieses Fliessband ins Stottern. Was können wir also tun?

Tee trinken. Inhalieren. Gurgeln. Alles was hilft, unsere Schleimhäute geschmeidig zu halten, verringert die Wahrscheinlichkeit, dass sich das Virus einnistet. Wenn wir sagen «Bleiben Sie gesund!», dann meinen wir das genau so. Denn je fitter Ihre Schleimhäute sind, desto schlechter geht es den Viren.

Dazu gehört auch, dass wir unser Atemsystem möglichst wenig mit anderem Stress belasten sollten. Also: Kein Feinstaub, kein Rauchen. Denn darunter leiden Fresszellen in den Lungen – ein weiterer Schutzschild gegen Viren.

Zum Abschluss noch einmal deutlich: Dieses Hausmittel bietet keine Sicherheit und ersetzen Händewaschen, Daheim bleiben und Abstand halten nicht. Aber es kann helfen, die Ansteckungsgefahr zu reduzieren.

Und hier gibt’s den ausführlichen Text von ETH-Professorin Viola Vogel, auf dem unser Tipp beruht.

Bleiben Sie gesund! Halten Sie Ihre Schleimhäute geschmeidig!

Die Abstimmungsvorlage in vier Minuten erklärt

Am 17. Mai stimmt das Schweizer Volk über die Begrenzungs- bzw. #Kündigungsinitiative ab. Die Befürworter wollen die Personenfreizügigkeit in 12 Monaten neu aushandeln lassen. Die Gegner halten das für unmöglich und fürchten, dass das Exportland Schweiz den unbürokratischen Zugang zum EU-Binnenmarkt verliert. Kurz: Der Meinungsbildungsprozess hat eingesetzt. Da kommt das Erklärvideo von #easyvote zum rechten Zeitpunkt. Es war eine Auftragsarbeit der Initiative #starkUNDvernetzt. Das Video ist gut gemacht und dauert vier Minuten:

Aufmerksamkeit gegenüber den Gefährdeten

Seit Tagen geben Medien und das Bundesamt für Gesundheit (BAG) Tipps, wie man sich vor dem Coronavirus schützen kann, und das ist wichtig. Was wenig Beachtung findet, ist der Schutz von anderen Menschen. Wer gesund ist, würde eine Ansteckung mit fast hundertprozentiger Sicherheit überleben – warum also die Hände waschen und in die Armbeuge husten?

Aus Solidarität mit all denjenigen, die ein schwaches Immunsystem haben. Aus Rücksicht auf die Alten und Kranken. Auf Menschen, die gerade eine Chemotherapie machen müssen. Das sind die Gefährdeten! Und denen schulden wir es, aufmerksam zu sein – auch das ist Courage Civil!

Es geht um einen Grundsatzentscheid: Wollen wir den bilateraler Weg weitergehen oder nicht?

Bereits kündigt sich die nächste Volksabstimmung an: Am 17. Mai stimmen wir über die Begrenzungsinitiative ab. Dieses Mal ist die Forderung der SVP klar formuliert: Die Personenfreizügigkeit soll gekündigt werden. Die Schweiz hätte für deren Neuaushandlung mit der EU nur 12 Monate Zeit.

Das Brexit-Drama seit 2016 zeigt uns: ein Jahr würde niemals reichen! Schlimmer noch: Sechs Monate nach der Personenfreizügigkeit würden auch die anderen sechs Abkommen der Bilateralen I automatisch gekündigt. Das ist der Effekt der Guillotine-Klausel. Ein Vergleich mit Grossbritannien: Dieses Land hat rund siebenmal mehr Einwohnerinnen und Einwohner als die Schweiz. Seine Wirtschaftskraft (BIP) ist etwa viermal grösser als dasjenige der Schweiz. Zudem war Grossbritannien seit 1973 Mitglied der EU (bzw. der EG). Wir fragen: Wie soll es die viel kleinere Schweiz schaffen, innerhalb von 12 Monaten einen neuen Vertrag auszuhandeln?

Die Begrenzungsinitiative ist faktisch eine Kündigungsinitiative. Wie Bundesrätin Karin Keller-Sutter heute vor den Medien ausführte, geht es um einen Grundsatzentscheid: «Wollen wir den bilateralen Weg weitergehen oder nicht?» Bei einem Ja am 17. Mai würde der Schweizer Exportwirtschaft die Rechtssicherheit entzogen. Schweizerinnen und Schweizer könnten zudem nicht mehr ohne bürokratische Hürden in EU-Ländern arbeiten, studieren und forschen.

Dieser Preis ist zu hoch. Deshalb bekämpfen wir von der Bewegung Courage Civil die Kündigungsinitiative.

Die Nein-Allianz besteht aus Bundesrat, Parlament, den meisten Parteien sowie Verbänden und Gewerkschaften. Das Ja zur Masseneinwanderungsinitiative vor sechs Jahren hat aber gezeigt, dass das womöglich nicht reicht. Es braucht unbedingt auch das Engagement von zivilgesellschaftlichen Akteuren wie Courage Civil. Sie besitzen eine hohe Glaubwürdigkeit, aber wenig finanzielle Mittel.

Unterstützen Sie deshalb unser Engagement mit einer Spende. Sie wird vollumfänglich in unsere Kampagne fliessen. Die Bewegung Courage Civil ist steuerbefreit, d.h. Spenden an uns können von den Steuern abgezogen werden!

Wer mehr über die Kündigungsinitiative wissen möchte: Hier entsteht unser Dossier dazu. Es ist ein Gebot der Fairness, dass wir dort auch einen Link zum Initiativkomitee gesetzt haben.